"Wir verabschieden sie, wir verabschieden sie". Was ist der richtige Abschied von einem Chor? Richtig, ein Abschiedslied. Es war so unglaublich süüüß. sie haben extra Lieder für uns gedichtet, von wegen "wir könne sie nicht gehen lassen, ohne uns gebührend von unseren Schwestern zu verabschieden, kommt gut zu Hause an, grüßt eure Familien, vergesst uns nicht... "
Ja, und dieser Abschied wurde wirklich gebührend gefeiert. An unserem vorletzten Sonntag nach dem Gottesdienst gab es eine Besprechung im Chor. Wir haben davor auch noch nichts gewusst, jedenfalls haben sie ein Abschiedsfest für uns geplant, wer was zum Essen mitbringt, was alles benötigt wird, wann und wo... Wir waren voll baff, weil wir nicht mit so etwas Großem gerechnet hätten. Und auch in den Chorproben der folgenden Woche wurde fleißig überprüft, wer seinen Anteil schon vorbeigebracht hat und was noch benötigt wird. Bei der Probe am Donnerstag haben sie uns dann rausgeschmissen, wir sollen jetzt nach Hause gehen, was sie jetzt vorhätten, gehe uns nichts an. Leider ist unser zu Hause direkt neben der Kirche, sodass es unvermeidlich war, zumidest die Trommeln zu hören.
Und am Freitag war es dann so weit. Wir sind nach dem Mittagessen die ganze Zeit im Haus geblieben, um nichts von den Vorbereitungen mitzubekommen, da bereits um ein Uhr der ganze Kirchenchor (über zwanzig Leute) gekommen ist, Bänke und Stühle aufgebaut und mit dem Kochen angefangen hat. Wir hatten keine Ahnung, was alles geplant ist, oder wann der "offizielle Teil" losgeht. Also haben wir uns rechtzeitig fertig gemacht und in unserem Zimmer gewartet. Als wir dann ganz laut bekannte Lieder gehört haben, war es wohl an der Zeit, nach draußen zu gehen. Und der Anblick war überwältigend: Der ganze Kirchenchor (auch die ansonsteen eher "Faulen") stand da und hat nur für uns gesungen. Dann waren noch ein paar andere Gäste, wie Pfarrgemeinderäte und Vorstände, da, alles unsere Freunde. Wir haben einen Ehrenplatz an einer Tafel bekommen und dann ging die Feier los.
Nachdem der Chor zur Eröffnung einige Lieder gesungen hatte, kam ein kurzes Gebet vom Father Colman, dann hat der Vorstand eine sehr lange Rede gehalten, wie sehr er sich über unsere Anwesenheit gefreut hat, obwohl er anfangs ehrlich skeptisch war, dass wir uns gut eingelebt haben und das allen Gemeindemitgliedern das Zusammenleben mit uns eine große Freude bereitet hat. Ich konnte leider nicht ganz genau zuhören, da ich die ganze Zeit (immerhin erfolgreich) gegen die aufsteigenden Tränen angekämpft habe. Und dann kam der Abschied vom Chor. Sie haben eine richtige Choreographie einstudiert, mit selbst gedichteten Lieder und nicht nur wir, auch unsere engsten Freunde, haben sich die Tränen verkniffen. Es war so ein rührender Augenblick, egal, wie ich versuche, diesen Moment in Worte zu fassen, es scheint nie alles zu umfassen. Und dann haben wir auch noch ganz viele Geschenke bekommen, sowohl vom Chor als auch von den anderen Gästen. Hier werden Geschenke aber nicht einfach nur übergeben, es wird regelrecht zelebriert. Wir haben traditionelle Kangas, also große Stofftücher bekommen. In einer Art Tanz wurden sie ausgebreitet und schließlich um uns gewickelt. Und dann standen wir nach einer halben Stunde in einige Tücher und Decken eingewickelt und völlig sprachlos da. Es war ein bedrückender Moment, keiner wusste wirklich, was jetzt am besten als nächstes zu tun sei, bis dann schließlich das Essen eröffnet wurde. Wer auch immer gekocht hat, es war wahnsinnig lecker und zum Glück haben sich alle an ihre Abmachungen gehalten, sodass genügend für alle da war und noch viel mehr. Dann hat Father Colman noch eine sehr lange und herzerweichende Rede gehalten, um uns seinen Dank und seine Anerkennung auszusprechen. Und zum Abschluss hat er uns aufgefordert, selbst noch etwas zu sagen. Gut, dass ich mir schon im Vorhinein etwas überlegt hatte und alle waren still und haben erst meinen und dann Franzis Worten gelauscht. Um die trübe Stimmung zu brechen, haben wir dann noch dem Chor unsere Gschenke übergeben. Die Alice, unsere Chorleiterin und beste Freundin hat zuerst etwas ganz persönliches bekommen und anschließend haben wir dem Chor ein kleines Fotoalbum zur Erinnerung an uns überreicht. Als letztes haben wir ihnen noch zwei Körbe mit unseren Klamotten übergeben, wir können sowieso nicht alles mit nach Deutschland nehmen. Dann wurden wir aufgefordert, die Tanzfläche zu eröffnen und es wurde noch bis spät in die Nacht getanzt und gefeiert.
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