Mittwoch, 30. Juli 2014

Schreiben Lernen leicht gemacht

Zumindest hoffen wir, dass uns das geglückt ist. Wir haben nämlich in den letzten Monaten ein kleines Heftchen mit Buchstaben und Zahlen gezeichnet. Viele Linien, die abgepaust werden mussten und viele Schriftzeichen, die vorgeschrieben wurden. Besonders in der Regenzeit sind wir oft am Schreibtisch gesessen. Als dann endlich die Druckvorlage vollendet war, sind wir an einem Freitag nach Ndanda gefahren. Dort haben wir es in fünfzigfacher Ausgabe kopieren lassen und anschließend in die Druckerei der Benediktiner gebracht. Die haben uns aus den Zetteln schöne Hefte mit farbigem Einband gebunden. Father James war so freundlich, diese für uns abzuholen, als er ein paar Wochen später sowieso nach Ndanda musste. Und was lange wird wird endlich gut. Nach einer sehr langen Arbeitsphase und Wartezeit (Abholung, lange Ferien) war es in dieser Woche endlich so weit. Wir haben jedem Kind ein eigenes Heft geschenkt. Ich war echt erstaunt, mit welcher Begeisterung die Kinder zu schreiben begonnen haben. Und siehe da: Sogar die kleinsten Kinder haben es geschafft, die Buchstaben richtig nachzufahren und letzendlich selbst zu Schreiben. Unser Plan, jeden Tag einen Buchstaben zu schreiben, ist allerdings nicht aufgegangen, da die Kinder so motiviert sind, dass mindestens drei Seiten pro Tag geschrieben werden müssen. Sie sind wahnsinnig stolz auf diese Hefte und wir sind richtig froh, unsere Freizeit sinnvoll genutzt zu haben.  Hoffenlich hält die Motivation der Kinder noch lange an...

Freitag, 11. Juli 2014

Das war ja mal wieder klar

Warum wundern wir uns eigentlich immer noch, dass wir nicht wie ganz normale Leute auf ein Fest gehen können? Nein, als Weiser hat man hier immer eine gewisse Sonderstellung. Aber der Reihe nach..

Gestern (09.07.14) war hier in Mangaka Mwenge, das ist quasi das Symbol der nationalen Einheit und Zusammengehörigkeit Tanzanias, dargestellt durch eine immerbrennende Fackel, die jährlich durch das gesamte Land getragen wird und in jeder Region Halt macht. Wir sind auch zu dieser Feier gegangen, einfach nur, um uns alles anzuschauen und Spaß mit unseren Freunden zu haben. Es war echt ein rießiges Fest mit sehr viel Militär-und Polizeiaufgebot, Parade, Blasmusik und Trommeln. Der Einzug des Feuers wurde regelrecht zelebriert. Natürlich will von den Zuschauern jeder in der ersten Reihe stehen, um ja alles gut sehen zu können. Jeder, außer uns, da wir sowieso größer sind als die meisten Tanzanier. Und trotzdem sind wir gemeinsam mit unseren Freunden über deren Beziehungen in die vorderste Reihe gekommen, begleitet von Polizisten, damit die anderen uns auch ja Platz machen. Und als ob das noch nicht peinlich genug wäre, spricht uns dann auch noch einer von der Organisation an (später haben wir erfahren, dass er der oberste Chef von allem ist), ob wir nicht das Feuer halten möchten. So eine große Ehre darf man natürlich nicht ablehnen und somit wurden wir zu der Reihe von allen wichtigen Personen (Direktoren, Militär, Politikern, Polizisten,..) geführt und wurden somit zu Mitgliedern der Zeremonie. Wir haben uns in drei Reihen aufgestellt und während Soldaten salutiert haben, wurde jedem die Fackel überreicht. Was für eine Ehre, wir haben also tatsächlich, genauso wie alle hohen Tiere, das Nationalsymbol Tanzanias in unseren Händen gehalten. So eine Fackel ist ganz schön schwer, aber es ist alles gut gegangen. Unsere Freunde haben uns danach alle gratuliert und waren wohl auche in klein bisschen neidisch. Danach wurden ganz viele Reden gehalten, über Einheit, Nationalität, aber auch Bildung und Gesundheit. Und so wie alle normalen Menschen standen auch wir hinter der Absperrung und haben zugehört. Nur die Ehrengäste hatten ihre Sitzplätze. Aber, wie konnte es auch anders sein, nach nur ein paar Minuten wurden wir eingeladen, uns doch dazu zu setzen, damit wir nicht stehen müssen. Und so hat uns ein Soldat über das Festgelände zu den Ehrengästen geführt. Gut, dass wir von ihnen immerhin ein paar Leute gekannt haben, aber ich habe mich trotzdem die ganze Zeit unwohl gefühlt. Wir sind dann auch nach den Tanzaufführungen (traditionelle afrikanische Tänze) recht bald gegangen, als auch unsere anderen Freunde nicht mehr auffindbar waren.

Auch wenn ich in diesem Jahr schon einige solcher Situationen erlebt habe, werde ich mich nie dran gewöhnen. Schließlich ist es nicht gerecht, uns besonders zu behandeln, nur weil wir eine andere Hautfarbe haben. Natürlich war es eine rießige Ehre, das Mwenge halten zu dürfen und nicht nur wir, sondern auch alle unsere tansanischen Freunde sind total stolz darauf. Aber warum? Ich bin doch nur eine junge Frau aus einem kleinen Ort in Deutschland, bin keine Politikerin oder Beamtin, habe  noch nicht einmal studiert. Ist diese Sonderstellung berechtigt? Es gab Situationen, beispielsweise im Krankenhaus, als ich durchaus froh darum war. Doch im alltäglichen Leben? Ich weis es nicht. Jedenfalls habe ich gelernt, mit dieser Haltung zu leben und den Sonderstatus anzunehmen, da es sonst eine Beleidigung und Ablehnung der Gastfreundschaft und Höflichkeit wäre.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Mal was übers Reisen

Wie ich ja schon berichtet habe, sind die Franzi und ich gerade auf Reise durch das Land Tanzania. Nach der Safari mit ihrer Familie ging es weiter nach Zanzibar. Danach sind wir zu zweit noch nach Mwanza und Bukoba an den Victoriasee gefahren. Ja, wir sind gefahren, denn hier werden größere Distanzen mit Reisebussen bewerkstelligt. Jeder Bus fährt um 6 Uhr in der Früh los, das heist, immer recht früh aufstehen, zum Busbahnhof fahren und dann den richtigen Bus finden. In Ubungo, das ist der größte Busbahnhof Dar es Salaams, ist das gar nicht so einfach, aber meist gibt es nette Menschen, die einem den Weg zeigen und uns führ ein kleines Trinkgeld noch immer zuverlässig zum richtigen Bus geführt haben. Ja und dann das Gepäck abgeben und sich seinen Platz im Bus suchen. An sich ist das Reisen im Bus recht angenehm, vorausgesetzt, dass es ein Luxury Bus ist, denn die normalen Busse sind sehr eng und die Beinfreiheit gleich Null. Was auch noch anstrengend ist, sind die Pipipausen. Von Masasi nach Dar es Salaam gibt es genau drei, bei einer Fahrt von neun Stunden. Drei ist vermutlich auch schon das Maximum, denn auch als wir nach Mwanza gefahren sind, die Fahrt hat über 18 Stunden gedauert, gab es nur drei Pausen, an denen lediglich eine an einem Rastplatz war, die anderen waren irgendwo im Busch. Und dann muss man sich auch sehr beeilen, Pinkelpausen dauern nie länger als zehn Minuten. Auf einer Busfahrt haben wir tatsächlich schon miterlebt, dass der Bus weitergefahren ist, obwohl noch circa fünf Leute draußen waren, aber das war dem Busunternehmen egal. Auch, dass ihr gesamtes Gepäck noch im Bus war. Momentan sitze ich im Bus auf der Fahrt von Bukoba nach Dar es Salaam, die wird vermutlich so an die 22 Stunden dauern. Ob das nicht langweilig ist? Aber nein! Die Busse haben für Unterhaltung gesorgt. In den meisten Bussen gibt es einen Fehrnseher mit sehr lauten Boxen. Bei durchgehender Dauerbeschallung mit typisch tansanischer Musik (natürlich auf jeder Fahrt genau das gleiche) kann man richtig gut schlafen... Heute haben wir echt Glück, der Bus besitzt keinen Fernseher und das Radio läuft nur zeitweise. Also eine sehr angenehme Fahrt.

Trotzdem bin ich wahnsinnig froh, bald wieder in Mangaka zu sein, schließlich sind wir doch fast einen vollen Monat rumgereist. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht, ich kann mich noch genau ans Packen erinnern...