Freitag, 11. Juli 2014

Das war ja mal wieder klar

Warum wundern wir uns eigentlich immer noch, dass wir nicht wie ganz normale Leute auf ein Fest gehen können? Nein, als Weiser hat man hier immer eine gewisse Sonderstellung. Aber der Reihe nach..

Gestern (09.07.14) war hier in Mangaka Mwenge, das ist quasi das Symbol der nationalen Einheit und Zusammengehörigkeit Tanzanias, dargestellt durch eine immerbrennende Fackel, die jährlich durch das gesamte Land getragen wird und in jeder Region Halt macht. Wir sind auch zu dieser Feier gegangen, einfach nur, um uns alles anzuschauen und Spaß mit unseren Freunden zu haben. Es war echt ein rießiges Fest mit sehr viel Militär-und Polizeiaufgebot, Parade, Blasmusik und Trommeln. Der Einzug des Feuers wurde regelrecht zelebriert. Natürlich will von den Zuschauern jeder in der ersten Reihe stehen, um ja alles gut sehen zu können. Jeder, außer uns, da wir sowieso größer sind als die meisten Tanzanier. Und trotzdem sind wir gemeinsam mit unseren Freunden über deren Beziehungen in die vorderste Reihe gekommen, begleitet von Polizisten, damit die anderen uns auch ja Platz machen. Und als ob das noch nicht peinlich genug wäre, spricht uns dann auch noch einer von der Organisation an (später haben wir erfahren, dass er der oberste Chef von allem ist), ob wir nicht das Feuer halten möchten. So eine große Ehre darf man natürlich nicht ablehnen und somit wurden wir zu der Reihe von allen wichtigen Personen (Direktoren, Militär, Politikern, Polizisten,..) geführt und wurden somit zu Mitgliedern der Zeremonie. Wir haben uns in drei Reihen aufgestellt und während Soldaten salutiert haben, wurde jedem die Fackel überreicht. Was für eine Ehre, wir haben also tatsächlich, genauso wie alle hohen Tiere, das Nationalsymbol Tanzanias in unseren Händen gehalten. So eine Fackel ist ganz schön schwer, aber es ist alles gut gegangen. Unsere Freunde haben uns danach alle gratuliert und waren wohl auche in klein bisschen neidisch. Danach wurden ganz viele Reden gehalten, über Einheit, Nationalität, aber auch Bildung und Gesundheit. Und so wie alle normalen Menschen standen auch wir hinter der Absperrung und haben zugehört. Nur die Ehrengäste hatten ihre Sitzplätze. Aber, wie konnte es auch anders sein, nach nur ein paar Minuten wurden wir eingeladen, uns doch dazu zu setzen, damit wir nicht stehen müssen. Und so hat uns ein Soldat über das Festgelände zu den Ehrengästen geführt. Gut, dass wir von ihnen immerhin ein paar Leute gekannt haben, aber ich habe mich trotzdem die ganze Zeit unwohl gefühlt. Wir sind dann auch nach den Tanzaufführungen (traditionelle afrikanische Tänze) recht bald gegangen, als auch unsere anderen Freunde nicht mehr auffindbar waren.

Auch wenn ich in diesem Jahr schon einige solcher Situationen erlebt habe, werde ich mich nie dran gewöhnen. Schließlich ist es nicht gerecht, uns besonders zu behandeln, nur weil wir eine andere Hautfarbe haben. Natürlich war es eine rießige Ehre, das Mwenge halten zu dürfen und nicht nur wir, sondern auch alle unsere tansanischen Freunde sind total stolz darauf. Aber warum? Ich bin doch nur eine junge Frau aus einem kleinen Ort in Deutschland, bin keine Politikerin oder Beamtin, habe  noch nicht einmal studiert. Ist diese Sonderstellung berechtigt? Es gab Situationen, beispielsweise im Krankenhaus, als ich durchaus froh darum war. Doch im alltäglichen Leben? Ich weis es nicht. Jedenfalls habe ich gelernt, mit dieser Haltung zu leben und den Sonderstatus anzunehmen, da es sonst eine Beleidigung und Ablehnung der Gastfreundschaft und Höflichkeit wäre.

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