Samstag, 2. August 2014

Little China in Mangaka

Seit einigen Monaten schon waren die Franzi und ich nicht mehr die einzigen Weißen in Mangaka. Direkt gegenüber von unserer Kirche haben sich ein paar Chinesen "angesiedelt". Also besser gesagt wurde ein riesiges Areal zu einem Camp für die Chinesen umgebaut. Als ich dort das erste Mal drinnen war, war ich völlig überwältigt: Rießige Containeranlagen, eine eigene Krankenstationen, unzählige Wohnblöcke, rießige Lagerhallen  und sogar eine eigene Tankstelle. Und für zwei eigene Wasserpumpen sind die Bohrlöcher bereits in Planung. So, nun stellt sich euch wohl die Frage "Und warum?"

Ich weis nicht, ob ich es schon einmal erwähnt habe, aber Mangaka liegt zwischen den Städten Masasi und Tunduru. Mangaka ist der Ort, wo die Teerstraße aufhört. Und jetzt wird der Straßenbau Mangaka - Tunduru sowie Mangaka - Mtambaswala (Mosambik) von den Chinesen übernommen und begonnen.
Anfangs waren wir und auch die meisten Dorfbewohner nicht sehr erfreut. Die Chinesen haben Anschluss zu uns Weißen gesucht, aber auf eine penetrant-belästigende Weise. Und wie wir aus internen Quellen erfahren haben, soll der Lohn, den die Chinesen für die einheimischen Arbeiter bezahlen, nicht gerade großzügig sein, gerade genug, um eine Familie satt zu bekommen.
Aber inzwischen sind es mehr Chinesen, einige, vor allem die Chefs, sind richtig nett und wir haben uns sogar mit ihnen angefreundet. Und wir kennen auch viele Frauen, die für sie kochen und sie sind sehr über ihre Anstellung zufrieden, also wird der Lohn schon ausreichend sein.

Ja, und letzte Woche wurde dann der Straßenbau offiziell eingeweiht, also richtig offiziell. Und wer kam als Ehrengast, um diese Aufgabe zu übernehmen? Richtig, der Präsident von Tanzania. Es war das Ereignis des Jahres in Mangaka, die Schulen wurden geschlossen und das Festgelände wurde richtig schön dekoriert. Es wurde angekündigt, dass der Ehrengast um neun Uhr morgens eintreffen wird. Wir sind gemeinsam mit Father Colman zu der Veranstaltung gegangen, sodass wir sogar Sitzplätze bekommen haben, obwohl wir erst um ein Uhr losgefahren sind, wie es auf seiner offiziellen Einladung angekündigt war. Letztlich hat das gesamte Dorf und noch viele Menschen mehr etliche Stunden in der prallen Sonne gewartet. Immerhin gab es lokale Tanz-und Trommelgruppen zur Unterhaltung. Ja und um kurz vor halb 6 ist dann der Präsident tatsächlich noch gekommen. Der Empfang war sehr überschwänglich, aber danach verlief die ganze Feier aufgrund der Zeitverzögerung sehr diszipliniert und schnell. Wir waren bereits um halb sieben wieder zu Hause. Jetzt können wir sogar noch behaupten, Doktor Kikwete, den Präsidenten von Tanzania persönlich gesehen zu haben.

Da wir uns mit den Chinesen bei den Besuchen auf ihrem Gelände angefreundet haben, haben wir diese Beziehung gleich mal schamlos ausgenutzt. Letzten Donnerstag haben wir mit unserem Kindergarten einen Ausflug zu den Chinesen gemacht. Die Chinesen waren total begeistert von den kleinen Kindern und haben unzählige Fotos gemacht. Aber das war nur Nebensache. Schließlich haben sich die Kinder wochenlang auf diesen Besuch gefreut. Sie führen jedesmal einen richtigen Freudentanz auf, wenn ein Auto an der Straße vorbeifährt, ist hier im Süden nämlich nicht so häufig, die Autos, die bei uns an der Kirche an einem Tag vorbeifahren, lassen sich leicht zählen. Für uns Europäer wohl schwer vorstellbar, aber diese Kinder haben noch nie in ihrem Leben so große Maschinen gesehen. Es gibt im Kisuaheli auch nicht einmal Wörter für die Baumaschinen, entweder werden die englischen Wörter übernommen, oder es wird mit einem ähnlichen Gegenstand verglichen. Ein Bagger beispielsweise heißt deshalb Löffel, weil die Baggerschaufel ja quasi ein Löffel ist. Diese Ausführungen sollen dazu beitragen, dass ihr euch ungefähr vorstellen könnt, wie groß die Freude und auch Aufregung der kleinen Kinder war. Einige von den Kleinen hatten allerdings auch Angst und haben zum Weinen angefangen. Aber als sie dann direkt vor den großen Maschinen gestanden sind, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Es wurde in der Baggerschaufel rumgeklettert und jeder wollte einmal auf dem Reifen stehen oder auf dem Fahrersitz sitzen. Wir hoffen, dass wir mit diesem Ausflug den Kindern nicht nur Spaß bereitet haben, sondern sie dadurch auch etwas für ihr Leben lernen konnten, in welcher Form auch immer. Jedenfalls war es ein sehr gelungener Vormittag, die Kinder haben jetzt auch keine Angst mehr vor den Chinesen und wissen, dass sie auf der Straße sehr vorsichtig sein müssen.

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