Montag, 21. April 2014

Korruption

Oder "Warum wir nicht mehr in der Secondary School unterrichten dürfen"

Das ist eine lange Geschichte, ich fang am besten ganz vorne an. Inzwischen ist es an die zwei Monate her, dass die Franzi auf der Straße von zwei Polizisten der Einwanderungsbehörde aufgehalten wurde. Sie wollten, dass wir Passkopien noch an diesem Tag in ihr Office bringen. Ging aber nicht, da ich krank das Bett gehütet habe. Bruder Samuel hat dann für uns ganz viel rumtelefoniert und uns schließlich mitgeteilt, dass wir gar nichts machen müssen, schließlich sind wir gemeinsam direkt nach unserer Ankunft in Sämtliche Büros gegangen. Und falls sie wirklich dringend etwas von uns benötigen würden, müssten wir eine amtliche MItteilung durch einen Brief bekommen. Damit war die Sache für uns erledigt und wir haben es total vergessen. Vor ein paar Wochen sind die Franzi und ich gemeinsam in die Schule gefahren, um unsere Halbjahrestests abzuholen. Dann wurden wir allerdings aufgefordert, in das Büro des Direktors zu kommen, wo wir von ebendiesen beiden Polizisten höchst unfreundlich empfangen wurden. Ob wir sie nicht verstanden hätten und warum wir nicht ihren Anweisungen gefolgt seien. Wir haben ihnen zwar alles erklärt, aber sie waren nicht zufrieden, sodass Father Colman gekommen ist und die Angelegenheit für uns geregelt hat. Am nächsten Tag ist er dann auch in deren Büro und hat die gewünschten Passkopien vorbeigebracht. Leider hat er uns dann mitgeteilt, dass wir nicht mehr unterrichten dürften, wir hätten eigentlich nie unterrichten dürfen und allein dafür sollen wir als Strafe jeder von uns 400 US-Dollar zahlen!!! Und am nächsten Tag sollen wir doch gefälligst auch selbst in das Büro kommen, wir sollen uns die Verhaltensregeln anhören. Father Colman war sehr empört und richtig wütend. Gut, dass er viele Freunde hat, zu denen auch die ganz hohen Tiere gehören. So kam es, dass der oberste Chef dieses Bezirks den Immigration-Officer zurechtgewiesen hat. Wir haben bisher glücklicherweise nichts mehr von ihm gehört. Trotzdem halten wir es für das Beste, nicht mehr in der Secondary zu unterrichten, bevor wieder neuer Ärger entstehen kann. Wir finden es selbst total bedauerlich, da uns die Arbeit in der Schule unglaublich viel Spaß gemacht hat. Und auch die Schüler waren von uns als Lehrern total begeistert. Sie waren total entsetzt, als wir ihnen mitgeteilt haben, nicht mehr unterrichten zu können. Als sie aber den Grund erfahren haben, wir haben ihnen im Wesentlichen nur "Korruption" gesagt, hat sich niemand mehr getraut, Einspruch zu erheben, sondern sie haben es eben einfach so hingenommen. Es ist wirklich erschreckend, dass es noch Länder gibt, in denen Korruption herrscht. Aber noch viel erschreckender ist die Erfahrung, selbst Opfer der Korruption zu werden. Wir haben zwar keinen direkten Schaden, aber gerade solche Erlebnisse rufen Gefühle wie Wut, Hass und Zorn hervor. Selbst wenn es nur eine einzelne Person ist, in einem Land, in dem die Korruption vorherrscht, ist man dagegen machtlos.

Immerhin können wir noch in die Schule fahren, um die Schüler und die Lehrer, mit denen wir uns inzwischen richtig gut angefreundet haben, zu besuchen und ich werde sie auch weiterhin in Deutsch unterrichten, wenn auch nicht mehr ganz so regelmäßig.

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