Wie schon des Öfteren erwähnt, unterrichte ich in der örtlichen Secondary School Englisch. Meine Klasse ist Form 3, also diejenigen, die in einem Jahr ihren Abschluss machen. Ich unterrichte 6 Stunden die Woche, jeweils drei Doppelstunden. In dieser Klasse sind insgesamt um die 70 Schüler, aber aus den unterschiedlichsten Gründen sind meist so an die 40 Schüler anwesend. An einem Tag waren es auch nur 10. Der Altersdurchschnitt sind ca. 16 Jahre, mache sind aber auch 15 oder 18. So, des waren jetzt die groben Rahmenbedingungen.
Meine Aufgabe ist es, ihnen Englisch beizubringen. Hier in Tansania ist zwar die zweite Landessprache Englisch und auch in der Secondary School werden alle Fächer auf Englisch unterrichtet, aber das heißt noch lange nicht, dass die Schüler die Sprache beherrschen. Ich versuche also in meinem Unterricht, sowohl den Schulstoff zu vermitteln als auch das Basisenglisch zu erweitern. Jede Unterrichtsstunde gibt es daher ein paar neue Vokabeln, die ihnen im alltäglichen Leben, aber vor allem auch in den anderen Fächern weiterhelfen sollen. Manchmal finde ich es echt erschreckend, dass die Schüler einen Aufsatz auf Englisch schreiben sollen, ihnen aber die alltäglichen Vokabeln fehlen. Zum Unterrichtsstoff des Lehrplans zählen Grammatik, Lese-und Hörverstehen, Analysen und das Schreiben von verschiedensten Texten, wie Essays, Briefe, Sachtexte (ganz ähnlich wie bei uns in Deutschland).
Teilweise ist es wirklich schwierig, den Unterrichtsstoff zu erklären, da den Schülern die nötigen englischen Vokabeln und mir die notwendigen Wörter auf Kisuaheli fehlen (teilweise existieren diese aber auch gar nicht). Glücklicherweise gibt es ein paar sehr gute Schüler, die dann entsprechend vermitteln können.
Momentan bringe ich den Schülern die Grundlagen der Textanalyse bei, was man dabei beachten muss und was für die spezifische Textsorte relevant ist. Auch habe ich ihnen Zeiten beigebracht und sie haben diverse Texte schreiben müssen, die ich dann meist übers Wochenende korrigiert habe. Ja, auch das gehört zum Job eines Lehrers dazu. Aufsätze und Tests korrigieren. Und der Unterricht muss auch immer gut vorbereitet werden, manchmal können so 80 Minuten Unterrichtszeit ziemlich lang sein.
Mir persönlich macht die Arbeit in der Secondary sehr viel Spaß. Ich bemühe mich sehr, den Schülern so viel wie möglich beizubringen, denn dem tansanischen Schulsystem mangelt es an einigem, auch an gut ausgebildeten Lehrern. Es ist schon erschreckend zu sehen, dass der normale Unterricht meist Monolog des Lehrers an der Tafel. Aber wie soll es anders gehen? Die Schüler haben nicht einmal Schulbücher, die einzigen vorhandenen Unterrichtsmaterialen sind eine Tafel und Kreide. Wir Lehrer haben Bücher, die eigentlich für die Schüler gedacht sind, also zwar mit Übungen, aber meist ohne richtige Lösung oder großartigen Beispielen.
Ich habe mir es angewohnt, ab und zu meinen Ipod mit in die Schule zu nehmen und mit den Schülern dann gemeinsam ein Lied zu analysieren. Es macht ihnen unglaublich viel Spaß, ich vermute mal, weil sie so etwas davor noch nicht gemacht haben. (Bei so einem Lied kann man auch ziemlich viel lernen: neue Vokabeln, Hörverstehensübungen, grammatikalische Phänomene,...) Mich freut es jedes Mal wahnsinnig zu sehen, wie glücklich die Schüler dabei sind und wie motiviert sie auf einmal mitarbeiten. Für mich ist es kein großer Aufwand, meinen Ipod mitzunehmen, aber wenn ich sehe, was ich damit bewirken kann, dann merke ich, dass es irgendwie gut ist, was ich hier tue....
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